Kokosnuss und Allergien

Kokosnuss und Allergien


Bei einer Nahrungsmittelallergie handelt es sich um eine Überempfindlichkeit gegenüber Lebensmitteln. Hiervon sind etwa 8 Millionen Bundesbürger betroffen. Sie kann in jedem Lebensalter entstehen. Häufig entwickelt sie sich bereits in der frühen Kindheit.

Die meisten Nussallergiker reagieren auf Haselnüsse, gefolgt von Walnüssen und Paranüssen. Auch Erdnüsse – botanisch zu den Hülsenfrüchten zählend – gehören zu den häufigen Allergieauslösern. Allen gemeinsam ist, dass bereits kleinste Mengen, sogenannte Spuren, allergische Reaktionen hervorrufen können. Kokosnüsse und Pekannüsse sowie das aus Mandeln hergestellte Marzipan werden hingegen meist gut vertragen. Welche Nüsse Sie meiden müssen, klären Sie am besten mit Ihrem Arzt und einer Ernährungsfachkraft ab.

In unserer einfachen Alltagssprache reden wir oft verallgemeinernd über „Nüsse“. Allerdings verbergen sich hinter diesem Begriff eine Reihe von sogenannten „trockenschaligen Früchten“. Diese Früchte sind wiederum in unterschiedliche botanische Familien einzuordnen und auch hinsichtlich der Fruchtform lassen sich nicht alle dem Begriff „Nuss“ zuordnen. Aber nicht alles, was wir Nuss nennen, ist auch eine Nuss. Botanisch gesehen ist die Kokosnuss eine Steinfrucht und Mandeln sind Samen. Erdnüsse gehören zur Familie der Bohnen- und Hülsenfrüchte.

Lange hatten Nüsse den Ruf, reine Dickmacher zu sein, denn sie enthalten viel Fett. Inzwischen aber belegen zahlreiche Studien, dass der üppige Gehalt an ungesättigten Fettsäuren die Nüsse besonders gesund macht.
Das ist mit einer der Gründe für sogenannte Kreuzreaktionen, die weitere allergische Reaktionen nach sich ziehen können. Wer zum Beispiel auf Haselnuss reagiert, reagiert oft auch auf Hasel- und Birkenpollen.

Auch die Walnuss macht vielen Pollenallergikern zu schaffen. Allergien gegen Paranüsse, Cashewnüsse und Pekanüsse treten selten auf, die Kokosnuss wird als die verträglichste Nuss eingeschätzt.

Für Pollenallergiker ist der Verzehr von Nüssen häufig problematisch, da Nuss-Allergien meistens Kreuzallergien sind. Besonders auf heimische Sorten wie Hasel- oder Walnuss, reagieren Birkenpollen-Allergiker allergisch. Außerdem sind Nussallergene extrem stabil: Kochen, Hacken oder Pressen kann ihre Wirkung nicht mindern. Rösten kann das allergische Potential sogar erhöhen. Exotische Nusssorten wie Para-, Pekan- oder Kokosnuss sind für Mitteleuropäer häufig problemlos (Fehrmann, 2007). Mit Vorsicht zu genießen sind auch viele Knabbereien (z. B. Erdnussflips, Süßigkeiten wie Schokolade oder Marzipan), ebenso Müsli, Aufstriche, Öle, Soßen, Getränke, Nahrungsergänzungsmittel oder Kosmetika.

Häufige Auslöser Seltene Auslöser
Haselnuss Kokosnuss
Walnuss Pinienkerne
Mandel Pistazien (hoch allergen!)
Paranuss Cashewkerne
Pekanuss

Quelle: Richtig Essen – Institut, 1998

Kann man auf mehrere Arten von „Nüssen“ allergisch reagieren?

Die Erdnuss ist an sich eine Hülsenfrucht und keine Nuss. Deshalb ist es durchaus möglich, auf Erdnüsse und auf Nüsse, d. h. Baumnüsse, gleichzeitig allergisch zu reagieren. Kreuzallergien zu Walnüssen, Cashewkernen und Pistazien sind zwar beschrieben, doch nicht zwangsläufig präsent bei einer manifesten, klinisch relevanten Erdnussallergie.

Eine Haselnussallergie – auch wenn die Haselnuss nach der Erdnuss die zweitgrößte allergene Potenz in dieser Klasse unserer Lebensmittel besitzt – bedeutet auch nicht gleich eine generelle Allergie auf alle Nusssorten und Erdnüsse bzw. Hülsenfrüchte. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit höher, eine klassenspezifische Allergie zu entwickeln – isolierte Allergien auf eine besondere Nusssorte sind recht selten.

Pflanzen und deren Produkte, die eine Allergie umfassen können

Ihr Allergen gehört zur Pflanzenfamilie der Palmengewächse. Hierzu zählen neben der Kokosnuss, die Ölpalme, die Sagopalme (liefert den echten Sago), die Dattelpalme u. a. Wenn Sie auf einen Vertreter dieser Pflanzenfamilie allergisch reagieren, bedeutet dieses nicht zwingend, dass Sie auch die Produkte der anderen nicht vertragen. Da sie jedoch eng miteinander verwandt sind, kann sich im Laufe der Zeit auch gegen die anderen eine Überempfindlichkeit (so genannte Kreuzallergie) entwickeln. Es empfiehlt sich daher, nicht nur auf die Pflanzenprodukte, auf die jetzt allergisch reagiert wird, zu verzichten, sondern auch die oben angegebenen verwandten Produkte höchstens selten und mit Vorsicht zu sich zu nehmen.

Kokosnüsse können Kontaktdermatitiden (entzündliche Reaktionen auf der Haut) auslösen, aber auch in seltenen Fällen allergische Reaktionen nach oraler Aufnahme. Eine Kreuzreaktivität wurde zwischen Kokosnüssen, Walnüssen, Haselnüssen und Linsen beschrieben.

Tipps bei Kreuzallergie

Bevorzugen Sie Nahrungsmittel mit geringem Allergen-Potenzial.

Obst

  • Beeren
  • Zitrusfrüchte

Gemüse

  • Salate, Salatgurke
  • gekochtes Gemüse, wie Aubergine, Brokkoli, Kohl, Kartoffeln, Paprika, Prinzessbohnen, Spinat, Spargel oder Zucchini

Getreide

  • Getreide-Allergiker können zumeist Buchweizen, Schmelzhaferflocken, geschälten Reis, Knäckebrot und Sauerteigbrot gut vertragen

Nüsse

  • bei Nüssen gelten Pekan- und Kokosnüsse als unproblematisch

Gewürze

  • Ingwer, Lorbeer, Muskatnuss, Nelken, Zimt und getrocknete Kräuter wie Majoran, Rosmarin, Salbei und Thymian sind unproblematisch

Warum gilt die Kokosnuss in den USA als Allergen?

Die US-amerikanische Food and Drug Association (FDA) hat Kokosnuss im Jahr 2006 in die Liste der als Allergene kennzeichnungspflichtigen „tree nuts“ aufgenommen, was bis heute zu einiger Verwirrung in der Industrie und bei Allergikern führt.

Der Sammelbegriff „tree nut“ ist im englischsprachigen Raum weit verbreitet und umfasst üblicherweise Cashew, Haselnuss, Macadamianuss (Queenslandnuss), Mandel, Paranuss, Pekannuss, Pistazie und Walnuss. Dieselbe Gruppe wird in Anhang II der EU-Lebensmittelinformationsverordnung als kennzeichnungspflichtige „Schalenfrüchte“ bezeichnet, wenngleich es sich bei Schalenfrüchten botanisch gesehen um Obstkerne handelt, während Hasel-, Macadamia- und Walnuss den echten Nüssen zuzuordnen sind.

Die Kokosnuss wiederum ist als Palmengewächs systematisch weder mit Schalenfrüchten noch mit echten Nüssen nah verwandt. Allergische Reaktionen bis hin zu vereinzelten anaphylaktischen Schocks sind in der Vergangenheit zwar bei Erwachsenen (selten bei Kindern) u. a. in Spanien und Ungarn beobachtet worden. Insgesamt betrachtet handelt es sich bei der Kokosnussallergie jedoch zumindest in Europa und den USA um ein seltenes Phänomen.

Eine Allergie gegen Kokosnuss wird in der Fachliteratur sowohl als Monosensibilisierung aber auch in Kombination mit anderen Nusssorten beschrieben. Möglicherweise spielt eine zuvor bestehende Allergie gegen Walnuss eine gewisse Rolle. Weiterhin deutet eine Publikation darauf hin, dass Kokosnüsse möglicherweise dem Frucht-Latex-Syndrom zugeordnet werden können, weil die Kokosnussallergie unter Latexallergikern immerhin eine Prävalenz von 1,5 % erreicht. Zwischen Kokosnuss und Birkenpollen wurde eine Kreuzreaktion in geringem Maße nachgewiesen.

Üblicherweise müssen aber die meisten Nuss- oder Schalenfruchtallergiker den Verzehr von Kokosnuss nicht einschränken.

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  1. 1
    Neni

    Ich bin zufällig durch die Google Suche auf diesen Artikel gestoßen. Sehr interessanter Beitrag, bin jetzt um einiges schlauer geworden und meine Fragen wurden beantwortet.
    Ein vorbildlicher Beitrag !!

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