Ernährungstrend Superfoods: Wirklich super oder nur ein Hype?

Ernährungstrend Superfoods: Wirklich super oder nur ein Hype?


Habt ihr schon mal Maulbeeren in euren Joghurt gerührt? Und heißt die Beilage eurer Wahl Quinoa statt Kartoffel? Dann gehört ihr zu den gesundheitsbewussten Menschen, die Superfoods längst in ihr Leben integriert haben. Chia-Samen und Goji-Beeren gibt es mittlerweile im Drogeriemarkt zu kaufen. Diese Super-Lebensmittel besitzen überdurchschnittlich viele Nährstoffe und sind deshalb besonders gut für unsere Gesundheit. Doch was ist ein Superfood? Und sind diese oft exotischen Früchtchen wirklich so wertvoll, wie die Werbung es verspricht? Wir haben für euch recherchiert.

Einfach gesagt, werden als Superfood Lebensmittel bezeichnet, die einen hohen gesundheitlichen Nutzen haben. Sie verfügen von Natur aus über große Mengen an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Ballaststoffen, sekundären Pflanzenstoffen und Antioxidantien. Dadurch haben sie einen besonders positiven Effekt auf das Immunsystem und das allgemeine Befinden. Im Wesentlichen handelt es sich bei den hier erhältlichen Superfoods um Früchte, Nüsse, Gemüse und Kräuter. Viele dieser wertvollen Lebensmittel gibt es im Bioladen oder Reformhaus; mittlerweile bieten auch Supermärkte und Drogerien Superfoods an.

Welche Lebensmittel als Superfood bezeichnet werden dürfen, ist nicht definiert. Es gibt keine Regel, die besagt, welches Nahrungsmittel das Zeug zum Superfood hat und sich so nennen darf. Die Bezeichnung ist nicht geschützt, theoretisch könnte man auch einen Hamburger als Superfood verkaufen. Aktuell denken wir bei Superfoods aber eher an Chia-Samen, Goji-Beeren und Acaipulver. In dem neuen Buch „Clean Eating – Kochen mit Superfoods“ von Hannah Frey wird auch die Kokosnuss als Superfood deklariert. Ebenfalls in ist Moringa, das im Handel als Pulver der getrockneten Moringablätter, als Öl, Tee oder Kapsel erhältlich ist. Die Pflanze soll 90 Nährstoffe vereinen und wird deshalb als nährstoffreichste Pflanze der Welt bezeichnet. Sie wird besonders Frauen während der Schwangerschaft und Stillzeit empfohlen. Auch Algen werden in Europa gerade wiederentdeckt: mit Dutzenden essbaren Algen und ganz unterschiedlichen Geschmacksrichtungen sind die Wasserpflanzen nicht nur unglaublich vielseitig, sondern enthalten auch viele Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente.

Moringa Blätter

Neben den Exoten gibt es aber auch heimisches Obst und Gemüse, das in der Nährstoffliga ganz oben mitspielen kann. Zu den heimischen Superfoods gehören Brokkoli, Spinat und fast alle Beerenfrüchte. Beeren sind im Vergleich zu anderen Früchten weniger stark durch Züchtung verändert. Sie bringen hohe Mengen an Antioxidantien mit und haben im Vergleich zur Goji- oder Acai-Beere den Vorteil, dass kein langer Transportweg nötig ist: Acai-Beeren wachsen am Amazonas und haben auf dem Weg zu uns gut 10.000 Reisekilometer zurückgelegt; Stachelbeeren hingegen erntet ihr im Idealfall im eigenen Garten.

So vielversprechend wie Superfoods erscheinen – als mündiger Verbraucher sollte man trotzdem wachsam bleiben und nicht jedes Werbeversprechen glauben. Unbestritten sind Superfoods gesund, aber wie so oft im Leben schadet es nicht, vor dem Kauf so manche Werbeaussage kritisch zu hinterfragen. Ein Beispiel gefällig? Chia-Samen werden wegen ihres hohen Gehalts an Kalium angepriesen – den sie zweifellos haben.

100 g des Wundersamens bringen es auf stolze 600 mg Kalium. Das ist viel, deutlich mehr, als zum Beispiel der Kaliumgehalt von Bananen, der bei ca. 380 mg pro 100 g liegt. Wer schon mal sein Müsli mit Chia-Samen aufgepimpt hat, weiß aber, dass hier höchstens 1 – 2 Löffel angebracht sind. Es wird empfohlen, maximal 15 g Chia-Samen täglich zu sich zu nehmen. Damit reduziert sich der tägliche Kalium-Anteil durch Chia auf immerhin noch 90 mg. Mit dem Verzehr einer durchschnittlichen Banane, sagen wir mal 150 g schwer, kommt man hingegen auf ganze 570 mg Kalium. Wie gesagt, erst denken – dann kaufen.

Nichtsdestotrotz sind Superfoods eine gute Möglichkeiten, etwas gesunde Abwechslung ins Essen zu bringen. Natürlich hilft es wenig, die oft nicht billigen Superlebensmittel zu sich zu nehmen, wenn die Ernährung sonst nur aus Fast Food und Fertiggerichten besteht. Zu einer gesunden Ernährung gehört abwechslungsreiches Essen mit frischen, unverarbeiteten Lebensmitteln. Wenn ihr diese mit dem ein oder anderen Superfood aufpeppt, seid ihr ernährungstechnisch auf der sicheren Seite.