Transportweg Kokosnuss kontra Klimaschutz?

Transportweg Kokosnuss kontra Klimaschutz?


Bio – lokal – regional – global: Alles egal?

Das Thema regionaler Konsum scheint in diesen Tagen für viele ökologisch orientierte Verbraucher eine große Rolle zu spielen. Viele stellen sich immer öfter die Frage, ob man eigentlich mit gutem Gewissen Kokosnussprodukte und andere Produkte aus weit entfernt liegenden Ländern genießen darf, wenn es doch auch in der Nachbarschaft gesundes regionales Obst und Gemüse gibt, das nicht von weit her transportiert werden muss.

Trotz der naheliegenden wiederholt vorgetragenen Gründe, die für regionale Produkte sprechen, möchten wir an dieser Stelle einmal Argumente sammeln, die dafür sprechen mit gutem Gewissen auch Bio-Kokosnussprodukte zu kaufen.

1. Energieeffizientes Wachstum und Verarbeitung von Kokosnüssen

Für das Wachstum und die Verarbeitung von Kokosnüssen in den regenreichen, sonnenreichen und fruchtbaren Tropen wird kaum Energie verwendet. Die Kokosnussbauern wohnen auf der Plantage oder in der Nähe, sodass sie ihren Arbeitsplatz zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen können. Die Bio-Kokosnüsse wachsen ohne Bewässerung und ohne künstliche Düngung. Im Gegensatz zur Produktion von vielen regionalen Obstsorten ist bei Kokosnüssen kein künstliches Licht und keine Heizung erforderlich. Gemäß einer Studie aus dem Jahr 2007 von der englischen Cranfield University können Rosen aus Kenia wegen der idealen Anbaubedingungen eine bessere Klimabilanz haben als Rosen aus den Niederlanden, auch wenn man den Transport mit berücksichtigt.

Wir untersuchen gerade noch genau wie viel CO₂ der Transport von Kokosnüssen auf dem Weg von Asien nach Deutschland verbraucht. Es sind ca. 160 Gramm Kohlendioxid, die pro Kilogramm Kokosprodukt ausgestoßen werden. Ein mit der ‚Umweltprämie‘ geförderter Neuwagen stößt auf einen Kilometer etwa gleich viel Kohlendioxid aus. Wir wagen die Hypothese, dass ein Ökokonsument, der mit dem Auto zum Biobauernhof fährt, um regionale Produkte zu kaufen, mehr CO₂ verbraucht, als jemand der Kokosnussprodukte im Internet einkauft oder sie mit dem Fahrrad im Laden erwirbt. Aber es ist zunächst eine Hypothese, die noch bewiesen werden sollte. Insgesamt sollte die Behauptung, dass regionales Obst und Gemüse immer besser ist als globale Produkte, im Interesse einer besseren globalen CO₂-Bilanz, noch intensiver untersucht werden.

2. Biokokosnüsse sind besser als konventionale Kokosnüsse

Die Bio-Kokosnüsse werden nicht mit Pestiziden behandelt. Während auf konventionellen Kokosnussplantagen oft zwischen den Palmen nichts mehr wächst, gedeiht zwischen den Palmen auf Bio-Plantagen eine vielfältige Mischkultur, die wiederum positiv zum Klima beiträgt. Bio laut der EG-Öko-Verordnung heißt nicht nur, dass die Herstellung ökologisch erfolgen muss, sondern auch dass bestimmte ethische Anforderungen erfüllt sind.

Die Qualitätssicherung von Bio-Produkten die aus entfernten Ländern kommen, ist übrigens dadurch gewährleistet, dass ein Erzeuger, der seine Kokosnussprodukte mit dem Bio-Siegel der EG-Öko-Verordnung versehen will, mit einer akkreditierten europäischen Kontrollstelle zusammenarbeiten muss, die den gesamten Herstellungsprozess einschließlich der Vertriebswege entsprechend streng überprüft. Zusätzlich sind auf Langfristigkeit angelegte, vertrauensvolle Beziehungen zu ausländischen Produzenten wichtig.

3. Sekundärer Effekt – Handel mit Kokosnüssen ist Entwicklungshilfe

Auch wenn es nicht unbedingt die Klimabilanz betrifft, so sollte doch noch mal betont werden, dass Handel die wahrscheinlich beste Entwicklungshilfe ist. Eine Kokosnusspflanze verspricht Wachstum in unterentwickelten Regionen und viele Bauernfamilien weltweit leben von ihren Früchten.

4. Die Alternative zu globalen Produkten – ab heute nur noch Grünkohl und Pinkel?

… und schließlich gehört es zu den Errungenschaften unserer Essenskultur, dass wir Produkte in unseren Speiseplan integrieren, die es in Schleswig-Holstein oder in Bayern nicht gibt. Wenn es keinen globalen Konsum geben würde, dann wäre keine Banane und keine Kiwi erlaubt und wenn man konsequent wäre, dann müsste man selbst auf den Curry im Reis und den Zimt auf dem Kuchen verzichten. Oder anders ausgedrückt: Ab heute gibt es nur noch Grünkohl und Pinkel oder Weißwurst und Kartoffelsalat oder was man sonst noch vor 100 Jahren gegessen hat, als es noch keinen Welthandel gab. Kokosnüsse wachsen nun mal nicht in Europa, also dürfen wir sie ohne schlechtes Gewissen genießen, besonders wenn wir sie mit vielen regionalen Gerichten mischen. Wie wäre es mit einem Spargelcurry in Kokossauce.